Alteingesessene 2
Erstellt: 10.11.09
Aktualisiert: 10.11.09
Martina Wiegner

Weiterführende Informationen zum Bericht Alteingesessene 1 [Link]


Zu den Bauernfamilien folgen Erläuterungen, teils nach Rücksprache mit den betreffenden Personen:

 
Gornauer Str.: 30 

Rößler, Robert → Rößler Otto bewirtschafteten zunächst das ehemalige Stadtgut auf dem späteren Gelände des Kohlen-Hofmann. Otto Rößler kaufte vor 1900 dann das o.g. Grundstück, und vererbte es später an Artur Rößler. Seine Tochter Suse verh. Graupner arbeitete bis in die 80èr in der LPG. Der Ehemann Martin verstarb 1985 und die Töchter haben keine Berufe in der Landwirtschaft erlernt. Eine Tochter mit ihren Kindern bewohnt heute noch mit Suse Graupner das Wohnhaus. Die Felder wurden gleich nach der Wende 1990 an die „Rawema“verkauft. Das heutige Baugebiet „Reichenhainer Mühlberg“ entstand auf dem ehemaligen Ackerland.

 
Gornauer Str. 48

Die Bauern Richard Jäckel u. Liesel Sohr gehörten zu den traurigen Opfern des Bombenangriffes im Februar u. März 1945. Das gesamte Bauerngut fiel in Schutt und Asche, was noch schlimmer war, es waren auch Menschenleben betroffen. Nach 1945 baute sich eine Neubauern-Familie namens Friedel das Bauernhaus auf, die Söhne betreiben heute in den Gebäuden einen Klempner, Heizungs- und Sanitär-Handwerksbetrieb.

 
Gornauer Str. 54

Am 30.4.1895 kaufte Karl Richard Musch mit seiner Frau Martha das o.g. Grundstück. Ihre Landwirtschaft vererbten sie an den Sohn Walter weiter, der dies bis 1982 mit seiner 2. Ehefrau bewirtschaftete und 1984 übernahm das Städtische Tierheim die Gebäude, da Söhne und Töchter trotz der zeitweise Tätigkeit in der LPG das alte Bauerngut nicht erhalten konnten. Der großartige Renovierungs-Erfolg ist erst nach 2000 gelungen. Seit dieser Zeit befindet sich eine Dachdeckerfirma und die Ergotherapie Donat in den ehemaligen Wohn - und Scheunengebäuden.

 
Schustergasse 2

Heute führt ein Treppenaufgang zu dem Hof des Bauern Winkler, es ist kaum noch vorstellbar, das dieses steile „Weglein“ von Bauer, Pferd und Wagen z.B. zur Einbringung der Ernte genutzt wurde. Bereits lange vor 1900 von Oswald Winkler, danach Walter und Gerhard Winkler, bearbeiteten die Bauern ihre Scholle. Die 3 Söhne mit ihren Familien wohnen gemeinsam mit den Eltern das Gut. Trotz Liebe zur Landwirtschaft hat die Söhne so mancher Umstand vom Einstieg als hauptberufliche Bauern abgehalten.

 
Schustergasse 6

Nachdem die Betreiber des Gutes seit 1855 öfters gewechselt haben, erwarb 1900 Oskar Ranft das verhältnismäßig kleine Bauerngut. Geschäftssinn, gepaart mit der Liebe zu seiner Scholle ließen ihn als Gemeindevertreter  maßgeblich die Vorbereitung zur Eingemeindung unterstützen. Der jüngste Sohn ( von 8 Kindern ) Martin hätte auch Interesse an anderen beruflichen Entwicklungen gehabt, so galt seine Liebe den Pferden, davon blieb ihm aber nur das Abschließen von Pferdeversicherungen. 1945 total ausgebombt zog er 1947 mit seiner todkranken Frau und Tochter Waltraud in ein neu errichtetes Bauerngut, das wenige Meter oberhalb der Ruine entstand. Heute lebt Frau Traudel Weber im Wohnhaus gemeinsam mit Tochter Annemarie Herbrecht und Schwiegersohn Gottfried. Die ältere Tochter Martina und Mann Reinhart Wiegner haben das ehemalige Stallgebäude vor 15 Jahren zur Pension und Wohnung ausgebaut.

 
Siedlerweg 5 und Pfaffensteig 8

Forbrig und Oesers haben nach 1920, zugunsten der geplanten Siedlergenossenschaft und späteren Gartenanlagen ihre Felder verkauft. Auf Grund der Weltwirtschaftskrise und ihrer Auswirkung wie Geldentwertung usw. haben die beiden Bauern nicht das große Glückslos damit gezogen. Forbrigs konnten wenigstens im Wohn- und Ausgedingehaus verbleiben, in das 1957 die Familie Gottschlich einzog, die Tochter Margot Schiefner mit ihrem Mann wohnt heute noch in den modernisierten Gebäuden, vermieten Zimmer und betreuen  Kinder aus schwierigen Verhältnissen, denen sie zeitweise ein frohes Zuhause bieten. Das Fuhrgeschäft und Wohnhaus der Firma Lorenz befindet sich auf dem ehemaligen Oeser - Gut.

 
Pfaffensteig 1

Heinz Uhlig mit seiner Frau Ilse bewohnt gemeinsam mit Tochter Brigitte und Ehemann, dem Bezirksschornsteinfegermeister i.R. Wiltzsch, das Bauerngut mit seinem Feldergürtel entlang des Pfaffensteig. Auch genügend junges Blut wohnt in den Mauern, die nach 1945 mit viel Mühe wieder aufgebaut wurden. Nur für eine eigenständige, wirtschaftlich funktionierende Landwirtschaft hat heute kein ehemaliger Reichenhainer Bauer mehr genügend Land. So freuen sich alle Bewohner des Hofes am Kleinvieh und Tauben. Außerdem tummeln sich immer einige Pferde im Garten, die aus Liebhaberei oder als Einstellpferde gehalten wurden.

 
Gornauer Str. 96

Kreißig, der Name erscheint oft in alten Kirchenbüchern, mal mit `ß`, mal mit `s`, auch ein `y` statt ` ì` ist immer wieder mal zu finden.  Dies ist auf einen Schreibfehler des Gemeindebeamten in Weißbach zurückzuführen. Dieser hatte bei der Eheschließung von Oskar Kreyßig den Namen falsch ins Amtsregister eingetragen – und dabei blieb es. Nur die Nachfahren hatten immer wieder ihre Probleme mit ihrer Schreibweise. Auch alle anderen „Kreißigs“ in Reichenhain stammen aus der gleichen Familie, wenn auch mit anderer Namensversion. So gab der Bauer: Kreißig, Paul mit seinen Nachfahren Annerose und Lothar dem 1. neuen Wohngebiet in Reichenhain seinen Namen. Die Neu-Reichenhainer hatten auf Grund der Unkenntnis vergangener Zeiten „Fohlenhof“ oder ähnliches vorgeschlagen, bis es auf Betreiben des damaligen Pfarrers und eines ortsansässigen Stadtverordneten zum Namen „ Kreyßighof“ kam.

 
Gornauer Str. 108

Reges Baugeschehen rundherum, läßt das Bauerngut der Familie Wächtler, später Bochmann, Otto und bis zur heutigen Zeit des Rentners Franz Storch kaum noch herausschauen zwischen Kränen und Erdhügeln.

 
Gornauer Str. 110 (Abendroth→Engelmann→Dieckmann)

Bereits Herr Engelmann verdiente sich sein Geld als Dachdecker und freut sich heute noch an Häusern mit schönen Dächern, vor allem denen seiner Kinder, die ihm in enger Nachbarschaft den Lebensabend nicht langweilig werden lassen.

 
Gornauer Str. 116 (Hertel→Weiser→Neukirchner→Tröger→Müller)

Nachdem die letzte Generation das Anwesen an eine junge Familie aus dem Bayerischen verkaufte, und sich wenige Meter unterhalb ein neues Haus baute, ist auch diese Familie dem Bauernstand aber nicht ihrem Heimatort abtrünnig geworden.

 
Gornauer Str. 124

Kurt Heuschmann ist der Besitzer des Bauerngutes. Die Bauern-Familie hatten in Hermann Kuhn ihren Begründer, der noch mit eigener Hand sein Land urbar machen musste. Ihm gehörte damals das Gelände oberhalb der Zschopauer Straße, d.h. auf Kleinolbersdorfer Gebiet. Er ist manchmal tagelang auf dem Feld geblieben , um sich die Zeit für den Heimweg zu sparen. So urwüchsig er war, hat ihn auch der Tod in Form eines Gehirnschlages mitten bei der Feldarbeit getroffen. Das Wohnhaus mit anschließendem Stall, welches bei Renovierungsarbeiten noch die Jahreszahl 1804 zutage brachte, steht heute noch und wird für die Kleintierhaltung genutzt. Eine Scheune wurde vom Besitzer Hermann Kuhn 1864 errichtet. Die heutigen Besitzer haben sich ein schönes neues Wohnhaus gebaut und dürfen seit 2003 die Vorteile von Heizung und modernem Komfort genießen. Seit 1928 bewirtschaftete die Tochter Ella geborene Kuhn mit ihrem Ehemann Ludwig Heuschmann das Gut. Ihr Sohn Kurt, der 1920 geboren wurde, kaufte seinen Eltern das Gut 1955 ab und war mit seiner Frau Marga geb. Reichelt (geb. 1928), die zuvor zum Arbeitsdienst beim Bauern weilte, von diesem Zeitpunkt an Besitzer. Mühsam wurden die 16 ha Land, davon 8 ha auf Kleinolbersdorfer Flur, und das dazugehörige Vieh versorgt, bis 1945 der Bombenhagel Stall und Scheune traf. Der Stall brannte ab und die durch eine Luftmiene beschädigte Scheune wurde notdürftig ausgebessert. Sein auf Reichenhainer Flur gelegenes Ackerland hat ab 1945 Zuwachs erhalten, da er die ehemaligen Felder weitab, gegen 8 ha unterhalb der Zschopauer Landstraße, die früher Escher , Ruttloff und Eckel bewirtschafteten, eintauschen konnte. Kurt Heuschmann wurde ab 1963 zum LPG-Vorsitzenden der Genossenschaft mit dem bewußt gewählten Name „ Einigkeit“ .

 
Gornauer Str. 126

Im Türsturz des Haupthauses stand die Jahreszahl 1479 und die Vorbesitzer hießen Kreyßig,

so steht es in alten Grundbüchern zu o.g. Grundstück. 1893 kaufte für 27.000 Goldmark Paul, Eduard Liebert das Bauerngut und bis zum heutigen Zeitpunkt ist der Name auf dieser Flur erhalten geblieben. Eine Besonderheit gilt es zu erwähnen: Am 24.10.1935 wurde das Gut an Paul, Karl Liebert überschrieben der zu diesem Zeitpunkt 4 Jahre alt war (gest.2009). Dieser bewohnte mit seiner Frau, sie feierten 2005 Goldene Hochzeit, ein neu erbautes Wohnhaus und Kind und Kindeskinder wohnen noch in Reichenhain.

 
Gornauer Str. 134

Von einer Anhöhe schaut uns das dreiseitige Bauerngut der Familie Heine, deren Vorfahren Weißbach hießen, herab. Auch sie sind inzwischen Rentner und haben nach 1990 nur noch zum Eigenverbrauch Bauernwirtschaft betrieben.

 

Gornauer Str. 138 (Dietze→Rother→Köhler, Marcus und Köhler, Gotthard)

Die Kinder von Gotthard Köhler nutzen noch ihr Bauerngut am rechten Abzweig eines kleinen Weges unweit der Dorfstraße zu Wohnzwecken, während die Tochter ins ehemalige Pfarrhaus und 2009 nach Klaffenbach zog.

 
Gornauer Str. 140

Den linken Abzweig des o. erwähnten Gässchens bewohnt die Familie Richter. In den Unterlagen zum Receß 1855 erscheint auf gleicher Grundstücksnummer ebenfalls der Name Richter. Ein Zeichen dafür, dass immer Jungs in der Familie das Bauerngeschlecht fortführen konnten bzw. wollten.

 
Gornauer Str. 150

Ein wenig abseits der Gornauer Str. finden wir heute das oberste Gut der Reichenhainer Bauern. Rudolph, Oskar und danach Rudolph, Kurt lauteten die Namen der männlichen Nachfolger. Letzterer hatte eine Tochter, Renate, die in der nahe gelegenen Stadt ihrem Beruf nachging und heute mit ihrem Ehemann und Sohn als Familie Haubold gemeinsam mit der Mutter das Gut bewohnt.

 
Gornauer Str. 154

Vom Krieg so stark zerstört, dass ein Neuaufbau nicht lohnte, hatte das ursprünglich letzte Bauerngut rechts der Gornauer Str. nach 1945 keine Chance mehr. Früher von Beyer und dann Escher bewirtschaftet, verpachtete letzterer dieses Gut an die Familie Ruttloff. Einen letzten Versuch wagte Bauer Eckel, der den Verfall aber auch nicht aufhalten konnte. Das ruinöse Gebäude war bis ca. 1970 noch vorhanden und wurde danach endgültig abgerissen.

 
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