2010: 60 Jahre Reichenhainer Schule
Erstellt: 10.10.10
Aktualisiert: 10.10.10
Reinhart Wiegner

Aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der Reichenhainer Schule hat der Vorsitzende des Heimatvereins Reichenhain folgende Ansprache gehalten:

Einen schönen guten Abend

den Schülern der Grundschule Reichenhain und den Kindern des Kindergartens
Reichenhainer Wichtelberg“, einen schönen Abend an die verehrten ehemaligen Lehrer und an das jetzige Lehrerkollegium dieser Schule sowie an die Erzieher des Kindergartens und an alle Mitarbeiter, die an der Schule und im Kindergarten tätig waren oder auch noch sind.


Werte Gäste,

liebe Reichenhainer

In dieser Woche gedenken wir der Einweihung des Kindergartens und der

Schule in Reichenhain vor 60 Jahren und ich darf auch im Namen des

Heimatvereins Sie alle recht herzlich begrüßen.

Bevor wir zum Laternenumzug schreiten lassen Sie mich bitte vorher einen

kurzen Abriss zur Geschichte dieser Schule vornehmen.

Dieser beginnt eigentlich nicht erst vor 60 Jahren, sondern bereits vor fast 100

Jahren. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung in Chemnitz und auch in

Reichenhain genügten die Räume im 1872 bezogenen neu erbauten

Schulgebäude am Pfaffensteig 4 nicht mehr. Deshalb mussten schon 1912 und

1919 provisorisch weitere Unterrichtsräume in Holzbaracken geschaffen

werden und die Gemeinde erwog den Bau einer neuen Schule. Die Kosten für

einen Neubau überstiegen jedoch die Finanzkraft der kleinen Gemeinde

Reichenhain.

Wir denken dankbar an die damaligen Gemeindevertreter, die einem

Schulneubau innerhalb von 2 Jahren nach der Eingemeindung im Vertrag mit

der Stadt Chemnitz anstrebten und vereinbarten.

Aber wie das so ist, wenn ein Vertrag mit einem starken Partner abgeschlossen

wird und man dabei sich selbst aufgibt, das Schulprovisorium mussten erst

britische und amerikanische Bomben 1945 total vernichten.

Hier verdanken wir es der Unterstützung des ehemaligen Reichenhainer

Lehrers, Johann Riesner, dass der erste Schulneubau in Chemnitz am 1. Juni

1949 in Reichenhain begonnen wurde und nicht als Provisorium, sondern in

einer großzügigen, modernen Bauform.

Über 350 freiwillige Helfer allein aus unserem Ort unterstützten die

Bauarbeiten indem sie unter anderem Steine klopften oder Transporte

durchführten. Und das in einer Zeit, wo es fast nichts gab und das Beschaffen

von Lebensmitteln ein Anliegen des täglichen Überlebenskampfes war.

Am 14. Oktober 1950 konnte die Schule bereits feierlich eröffnet werden.

Wenn wir heute durch unsere Schule gehen können wir die

Improvisationskunst der Bauleute erkennen. Die vielen Gewölbedecken

resultieren aus dem Mangel an Zement und Stahl.

Dankbar denken wir auch an die ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer zurück,

die trotz aller politischen Vorgaben ihre Aufgabe vorrangig in der Bildung der

ihnen anvertrauten Schüler sahen.

Dankbar sind wir auch dem heutigen Lehrerkollegium, welches es immer

wieder schafft, mit modernen Unterrichtsformen den Kindern eine Freude am

Lernen und eine hohe Bildung zu vermitteln und das damit die sehr gute Arbeit

des Kindergartens fortsetzt. Die vielen Anmeldungen aus anderen

Schulbezirken für eine Einschulung sind auch ein Ausdruck der Wertschätzung

der Arbeit, die hier von den Lehrern und Erziehern geleistet wird.

Dafür Ihnen nochmals unseren Dank.

Trotz dieser durchweg positiven Bilanz möchte ich zum Schluss nicht

verhehlen, dass sich am Horizont kleine, unfreundliche Wolkengrüppchen

zusammenziehen. So wurde in diesem Jahr die Bildung einer zweiten 1.

Klassestufe trotz ausreichender Anmeldungen verhindert und für das nächste

Schuljahr deutet sich gleiches wieder an. Auch haben wir nun schon 2 Jahre

nur eine amtierende Schulleiterin.

Ich denke, wir sind es den Gemeindevertretern des alten Reichenhains von

1928, Herrn Riesner, den vielen Trümmerfrauen und Helfern von 1949, den

bisherigen Reichenhainer Lehrern, den ehemaligen Schülerinnen und Schülern,

ja den Reichenhainern einfach schuldig, hier rechtzeitig gegenzusteuern.

Vielleicht kommen wir auch darüber während der Festtage ins Gespräch.

Dies alles wird nicht unsere Freude und den Spaß am Fest trüben. Dies

wünsche ich Ihnen und uns von ganzem Herzen.