1898 - 2013: König-Albert-Jubiläumseiche
Erstellt: 14.06.13
Aktualisiert: 07.07.15
Reinhart Wiegner

Anlässlich des Doppeljubiläums von König Albert von Sachsen erfolgten in unserem Ort verschiedene Aktivitäten, die heute nicht nur ein Schmunzeln sondern auch eine Achtung auf unsere Vorfahren hervorrufen

Dazu einige Auszüge aus den Gemeindeakten

1.

Reichenhain, den 25. März 1898

An die Königliche Amtshauptmannschaft zu Chemnitz

Zu Ehren des bevorstehenden 70. Geburtstages seiner Mäjestät des König Albert und Allerhöchstdessen 25 jähr. Regierungsjubiläums will der hiesige Militärverein am 23. April dieses Jahres abends im Pilzschen Gasthofe hier einen allgemeinen Commers abhalten. Es wird das Festspiel aufgeführt werden: „Zur Jubelfeier in Sachsens Königshaus“. Festspiel für Schulen und Vereine von Emil Thiele, Lehrer in Niederbobritzsch.

Es werden dabei 4 Schulkinder aus den 1. Klassen mit verwendet.

Die geehrte Königliche Amtshauptmannschaft sowie die geehrte Königliche Bezirks-schulinspektion wird gehorsamst gebeten, dazu gütigst die Genehmigung erteilen zu wollen.

Mit größter Hochachtung ehrerbietigst

Köhler

 

Aus dem Protokoll der 4. Sitzung des Gemeinderates am 31. März 1898

Punkt 3:

Über Bewilligung der Regiekosten zu den öffentlichen Commers bei Pilz zum Geburtstage Sr. Majestät unseres Königs beschließt man gegen eine Stimme die entstandenen Kosten zu bewilligen.

Punkt 4:

Über Pflanzung einer König-Albert-Jubiläumseiche beschließt man, die Arbeiten den Landschaftsgärtner Anton Kreißig hier zu übertragen. Der Pfarrer Müller soll ersucht werden, die Weiherede zu halten.

2.

Beschluß der Königlichen Bezirksschulinspektion Chemnitz vom 5. April 1898

Herrn Gemeindevorstand Köhler in Reichenhain

 

auf die Eingabe vom 25. vorigen Monats zu eröffnen, dass die Königliche Bezirksschulinspektion die Teilnahme von Schulkindern an den seitens des dortigen Militärvereins am 23. dieses Monats zu veranstaltenden Festaufführung „zur Jubelfeier in Sachsen Königshaus“ genehmigt. Hierzu 1 Textbuch.

Im Übrigen gehen der Königlichen Amtshauptmannschaft gegen die erwähnte Festaufführung keine Bedenken bei.

Heusitz

3.

Schreiben des Militärvereins an Gemeindeverwaltung

Reichenhain im April 1898

An den wohllöblichen Gemeinderat zu Reichenhain

Mit Gegenwärtigem erlauben wir uns, die geehrten Gemeinderatsmitglieder nebst werthen Gemahlin zu dem am 23. April c., zur Jubiläumsfeier Sr. Majestät König Alberts stattfindenden Commers freundlichst einzuladen. Auch werden die geehrten Gemeinderatsmitglieder noch gebeten, an den, am darauffolgenden Sonntag stattfindenden Festlichkeiten theilzunehmen.

Hochachtungsvoll

Adolf Pilz, Vorsteher

Stempel Kgl. Sächsischer Militärverein, Bundesbez. Chemnitz, Reichenhain

4.

Bekanntmachung - Aushang an der Gemeindetafel vom 17.4.98 bis 25.4.98

Die Feier des 70. Geburtstages und des 25. jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des Königs soll in unserem Ort in folgender Weise stattfinden.

Sonnabend, den 23. April

Früh 8 Uhr, Schulaktus im Pilzschen Gasthofe

Abend 8 Uhr, Commers im Pilzschen Gasthof.

Aufführung des Festspiels: „In Sachsens Königshaus“

 

Sonntag, den 24. April

Vormittag 8 ¼ Uhr Kirchenparade sämtlicher Vereine

Nachmittags 3 Uhr Versammlung der Einwohnerschaft im Lohseschen Restaurant

Um 4 Uhr Abmarsch nach dem Platze vor der Kirche zur Pflanzung der König Alberteiche. Nachdem Auflösung des Festzuges.

 

An die geehrte Einwohnerschaft richten wir die Bitte, durch zahlreiche Beteiligung an der Feier, durch Schmückung der Häuser (Beflaggung etc) an den Festtagen, ihrer patriotischen Gesinnung, sowie ihrer Dankbarkeit und Verehrung für Seine Majestät, unserem geliebten König auch äußerlich allseits Ausdruck zu verleihen.

Reichenhain, am 16. April 1898

der Gemeinderath

Köhler

Gemeindevorstand

5.

aus der 6. Sitzung des Gemeinderates am 17. Mai 1898

Punkt 2:

Über Anbringung eines Zaunes um die Königseiche beschließt man, die Sache nochmals zu vertagen.

6.

aus der VII. Sitzung des Gemeinderates am 27. Mai 1898

Punkt 2:

Der Platz um die Königseiche soll ganz eingefriedet werden, durch einen Kreuzzaun, diese Arbeit soll der Zimmermann Karl Hauschild aus Oberhermersdorf ausführen.

7.

aus der 19. Sitzung des Gemeinderates am 30. August 1900

Punkt 3:

Wird gegen eine Stimme genehmigt, dass die Königseiche eine weitere Schmückung erfahren soll. Hierzu wird der Betrag von 20 Mark bewilligt.

Vermutlich ist es der Gedenkstein.

8.

Der Text auf dem Gedenkstein

 

 

König Albert Jubiläumseiche

gewidmet zur Wiederkehr des Doppeljubiläum

unseres allverehrten Landesherrn

Sr. Maj. König Albert

am 23.April 1873

Die Gemeinde Reichenhain

 

 

Wir danken Herrn Jörg Schmidt für die Restaurierung des Gedenksteines und

Herrn Gert Weißbach für die Anfertigung des Hinweisschildes.

9.

Die Königseiche oder König-Albert-Eiche ist eine Traubeneiche und wurde auf dem König-Albert-Platz gepflanzt.

Auf dem König-Albert-Platz befindet sich auch noch das im Mai 1921 geweihte Kriegerdenkmal, geschaffen vom Chemnitzer Architekten Walter Müller.

Gegenüber vom König-Albert-Platz befindet sich der Schillerplatz mit der Schillerlinde. Diese wurde 1905 gepflanzt, ist heute leider krank und muss gefällt werden.

Neben dem Schillerplatz begann früher, an der Kirchentreppen beginnend, der Pfaffensteig.

Ja, Reichenhain hatte früher zwei „mächtig gewaltig große“ Plätze!