1902: Trauerrede des Gemeindevorstehers zum Tod von König Albert
Erstellt: 14.06.13
Aktualisiert: 02.09.13
Gemeindevorsteher Börngen

Trauerrede des Gemeindevorstehers Börngen zu König Albert

König Albert, der von seinem Volke heißgeliebte gütige und gerechte Fürst, der ruhmreiche Führer der Sachsen in Krieg und Frieden, der Monarch, zu dem ganz Deutschland als zu einem der letzten Paladine aus der unvergesslichen großen Zeit in bewundernder Ehrfurcht emporschaute, ist von uns geschieden.

Nicht unerwartet kam die Kunde.

Mit banger Sorge schauten wir alle in diesen Tagen nach dem schlesischen Sommersitz des Herrschers. Trüber und trüber lauteten die Nachrichten und doch hielt aller Herzen die Hoffnung aufrecht, dass auch diesmal die kräftige Natur des geliebten Herrschers, die schon so manchem Ansturm standgehalten, siegen werde, es ist anders bestimmt gewesen.

Fern von der theuren Heimat ist König Albert von seinen Sachsen geschieden. Tief, echt und allgemein ist die Trauer. Wir haben einen Fürsten verloren, um den uns Tausende und Abertausende beneidet haben, einen Fürsten, der im wahrsten Sinn des Wortes ein Vater seines Volkes war. Die Herzensgüte unseres König Albert, die schlichte Einfachheit, die auch den einfachsten Unterthan sich seinem König ohne Scheu nähern ließ, hat ihm einen festen unerschütterlichen Platz im Herzen seiner Sachsen gesichert. Wie die alten Krieger in jubelnder Begeisterung sich bei jeder Gelegenheit um ihren ruhmgekrönten Führer schaarten, so rief in allen Schichten der Bevölkerung, so oft König Albert Städte oder Landesteile aufsuchte, die Kunde: „König Albert kommt“ Jubel und Freude hervor. Wußte man doch, was man diesem Herrscher zu danken hatte, diesem großen edlen Fürsten, der es als seine erste Lebensaufgabe ansah, sein Volk glücklich und zufrieden zu sehen.

Umso tiefer ist heute unser aller Trauer. Worte vermögen nicht das wiederzugeben, was uns im Augenblick bewegt. Nur ein kurzer Rückblick auf dieses reich gesegnete, aber auch ebenso arbeitsreiche Leben sei hier gegeben.

Die Trauerkunde traf in Chemnitz gegen 9.00 Uhr abends ein. Sie lautete: Sibyllenort, 19. Juni, abends 8 Uhr 5. Minute. Seine Majestät König Albert ist soeben sanft und ruhig entschlafen.

Zirkular.

Nach Verordnung des königlichen Kultusministeriums der für S. Majestät den hochseligen König Albert festgesetzte Trauergottesdienst, am 29. des Monats Nachmittags 6 Uhr in sämtlichen Kirchen des Landes stattzufinden.

Den in der letzten Gemeinderatssitzung von dem Unterzeichneten angesagte Teilnahme an den Vormittagsgottesdienst, wird auf nachmittags 6 Uhr verlegt.

Es werden die Herren Gemeinderatsmitglieder hierdurch ersucht an der Trauerfeier teilzunehmen und sich zum gemeinsamen Kirchgang, Nachmittag ¾ 6 Uhr im Lohseschen Gasthofe pünktlich einzufinden.

Gleichzeitig wird gebeten, hinter den Namen auf dem Zirkular zu bemerken, ob teilgenommen wird oder nicht um das man den H. Pfarrer Müller mitteilen kann, wie viel wir Stühle auf dem Altarplatz bedürfen.

gez. Börngen

Gemeindevorstand

Herr Linus Lohse ja

Herr Otto Rößler ja

Herr Hugo Eckert ja

Herr Otto Delling ja

Herr Oskar Flemming

Herr Hermann Friedrich

Herr Robert Hunger nein

Herr Adolf Pilz ja

Herr Eduard Ruttloff ja