2013: Reichenhainer Wäschemangel
Erstellt: 29.08.13
Aktualisiert: 02.09.13
Martina Wiegner
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Ein Bericht anlässlich des Todes von Günther Lerchner

 

 

Am 17.8.2013 verstarb Günther Lerchner, er wird am 11.9. auf dem Reichenhainer Friedhof bestattet. Bereits vor einigen Jahren verstarb seine Frau Inge, eine geborene Hage. Mit ihr verbindet sich der Name „ Hagens Wäschemangel“ noch für viele ältere Einwohner.

Mehr oder weniger regelmäßig nutzten diese hauptsächlich die Frauen, den Männern oblag maßgeblich der Transport mit dem Handwagen und eventuell noch das Interesse an technischen Details.

Unser verstorbener Lehrer und Ortschronist Walter Großer verfasste vor Jahren eine Aufstellung über Reichenhainer Unternehmen, darunter befanden sich folgende Anlaufstellen für fleißige Hausfrauen:

 

Uhlmann Gornauer Str. 25 Mangel

Baldauf Gornauer Str. 89 Mangel

Fischer/ Reichel Gornauer Str. 122 Mangel und Schleuder

Hage / Lerchner An der Gemeindewiese 8 Mangel und Schleuder

Brühöfner Jägerschlößchenstr. 50 Mangel

Zimny Richterweg 25 Wäscherei mit Mangel

 

Nicht nur die gewaschene und getrocknete Wäsche konnte bei Lerchners in die gewünschte Schrank-Ästhetik gebracht werden.

Nach dem Einweichen mit „Sil“, das mindestens 1 Tag vor der „Großen Wäsche“ erfolgte, kam das Kochen von Bett-, Tisch- und Leibwäsche in einem großen, meist ummauerten Waschkessel im Waschhaus der Häuser. Danach wurde die noch heiße Wäsche auf Zinkbrettern geschrubbt und gebürstet, und wer dann keine Wäscheschleuder oder Wringmaschine besaß, konnte sich zu diesem Zeitpunkt erstmals auf den Weg Richtung Gemeindewiese machen. Man überlege sich die Last von Zinkwanne mit nasser Wäsche und den Aufwand dieses Vorganges.

Die große Wäscheschleuder musste zudem gleichmäßig beladen werden, sonst tanzte diese im Schuppen herum und man konnte sie schwer bändigen.

Das war der erste Moment, den man gern vor der gestrengen Besitzerin der Geräte geheim hielt. Nachdem die Wäsche zuhause im Garten oder im Winter auf dem Boden getrocknet war, machte man einen erneuten Termin – ohne Telefon – bei Lerchners. Denn 1 Stunde bis 2 Stunden Mangeln wurde angemeldet.

Dazu wurden die Wäschestücke bereits zu Hause ordentlich gefaltet und vorsortiert, dann ging es wieder mittels Handwagen auf die Tour. Im Mangelraum stand ein massiver Holztisch mit Halterung für die „Dogge“. Das war eine schwere Holzrolle, die an den Enden jeweils mit Holzknauf versehen war. Mittels dieser Rolle und einem mitgebrachten Mangeltuch wurde die Wäsche eingerollt.

2 solche „Doggen“ wurden dann nacheinander unter den schweren, mit Steinen beladenen, Korpus eingeschoben. Das Öffnen der Mangel geschah nach gewisser Zeit automatisch durch Herunterklappen einer Sicherungsklappe. Die nötigen Verhaltens- und Bedienungsanweisungen waren im Raum angebracht. Der Aufenthalt von Kindern war strengstens verboten .

Durch Schließen der Klappen setzte sich die Mangel in Bewegung und die Last glättete Bettlaken, Tisch-, Geschirr- und Handtücher. Aber auch mehr oder weniger unförmige Unterwäscheteile sollten vor dem Tragen eine „schlanke Gestalt“ haben. Das brachte aber ein Problem mit sich, da die Doggen etwas unrund wurden und dies tat dem waagerechten Mangelbetrieb nicht gut.

Die Doggen verschoben sich und ein höllisches Quietschen setzte ein.

---- Das war der bereits anfangs erwähnte 2. Moment, dass Frau Lerchner mit einem strengen Blick den Mangelraum betrat. Noch schlimmer war es, wenn man selber an der Haustür klingeln musste, um sie um Hilfe zu bitten.

Sie hatte eine Handkurbel und die nötige Erfahrung, um den Schaden zu beheben.

 

Aber man stelle sich heute vor:

60 Pfennige Stundenlohn, ständig verfügbar, Strom- und Reinigungskosten!

Das war auch damals kein gutes, lohnendes Geschäft, eher ein Service für die Bevölkerung, dem wir im Namen unserer Vorfahren ein ehrendes Gedenken bewahren wollen.